Studieren oder Ausbildung? Ein Ex-Student klärt auf!

Studieren oder Ausbildung? Ein Ex-Student klärt auf!

Sehr geehrte Leser,

in diesem Artikel schreibe ich euch meine Erfahrungen mit meiner bisherigen Ausbildung sowie meine 2 Jahre an der Freien Universität Berlin in meinem Philosophiestudium.

Die große Frage die sich besonders in letzter Zeit stellt: Studieren oder Ausbildung??

Studieren oder Ausbildung? Das ist zumindestens das Motto eines Studiums!

Eben weil ich mit beiden Bereich meine Erfahrungen gesammelt habe, möchte ich nun ein wenig Licht auf dieses Thema werfen.

Mein bisheriger Werdegang.

Ich komme aus einer zweisprachigen ( Französisch-Deutsch) und ging in München auf eine mehrsprachige Schule, wo ich ebenfalls ein gutes Abitur bestand.

In diesem Kreis stellte sich gar nicht die Frage – Studieren oder Ausbildung? – es war vorausgesetzt dass man studieren geht.

Deshalb entschloss ich mich für ein Philosophiestudium mit Nebenfach Medienwissenschaften an der Freien Universität Berlin.

Dort blieb ich auch 5 Semester lang bis ich mich nach etwa 60% meines Studiums exmatrikulieren ließ.

Wie war das Studium?

Es war an sich eine schöne Zeit.

Noch dazu kommt, dass ich zum Beginn des Studiums 17 Jahre alt war und recht naiv durch die Welt rumlief.

Natürlich ist das ein Alter, in dem man sich um seine Zukunft nicht nicht so viele Sorgen macht.

Dennoch arbeitete ich recht fleißig an meinem Studium.

Einige Sachen störten mich aber:

  1. Die Studenten waren wirklich nicht die ehrgeizigsten. Man hat einfach unglaublich viel Zeit gehabt. ( Ob das nur in den Geisteswissenschaften so ist? )
  2. Natürlich stellt man sich darauf ein Theorie zu lernen, jedoch ging mir das einfach irgendwann mal wirklich auf die Nerven.

Deshalb hörte ich auf

Eines Tages sagte mir ein Kumpel: ‚Sag mal, warum studierst du eigentlich?‘.

Und diese Frage entbrannte ein Feuer in mir, dass leider nicht ausging.

Ich fand auch keine richtige Antwort darauf:

  1. um ein Job zu finden? – nicht mit Philosophie…
  2. weil es mir Spaß macht? – nicht wirklich…
  3. Weil ich dann einen Abschluss habe und auf der ’sicheren Seite bin‘? – Ein Bachelor ist leider heute auch nicht mehr so viel Wert, gerade in der Philosophie. Mit einem Bachelor ist man heute eben auch nicht mehr auf der ’sicheren‘ Seite.

Nach langem Hadern exmatrikulierte ich mich also.

Und wanderte für 2 Jahre nach Australien aus – wo ich übrigens eine ganze Reihe an Jobs machte.

Studium oder Handwerk? – Wie kam es zur Ausbildung?

Die Frage – ob Studieren oder Ausbildung machen – stellte sich nach meinem Australienurlaub eigentlich immer noch nicht.

Ich hatte nun gelernt, dass ich ohne Qualifikationen eigentlich nur an der untersten Kette der Arbeiten gelangen würde.

In meinen zwei Jahren in Australien arbeitete ich auf einer Farm, als Verkäufer, in der Gastronomie, z.T. selbstständig und letztlich auch auf der Baustelle.

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland erbot sich langsam aber sicher eine Entscheidung: ich wurde auch nicht jünger ( damals dann 24 Jahre alt. ).

Studieren wollte ich eigentlich nicht mehr. Ich bewarb mich halbherzig für ein Sportstudium aber ließ es fallen.

Die Bundeswehr wollte mich auch nicht dem Grund, dass mein Lebenslauf zu wirr war.

( Der war es auch, aber genau deshalb geht man doch zum Bund oder? Um sein Leben auf die Reihe zu bekommen oder? _

Also sogar der Bund wollte mich nicht zum Freiwilligen Wehrdienst.

Mann…

Also beschloss ich einfach eine Ausbildung zu beginnen.

Es war mit zuerst mal egal wofür ich mich bewarb. So schickte ich Bewerbungen als Gärtner, Zimmerer, Maurer, Goldschmied, Bankkaufmann…

und eben auch als Dachdecker.

Und das war auch ein Volltreffer.

Nach 3 Monaten Suche und Praktika als Bodenleger und Maurer war es soweit: ich hatte einen Ausbildungsvertrag als Dachdecker in der Tasche.

Um ehrlich zu sein wusste ich vor meiner Bewerbung gar nicht, dass dieser Beruf existiert aber mit der Gnade Gottes oder sonst welcher Kräfte ist es ein Volltreffer.

Wie ist die Ausbildung ?

Um ehrlich zu sein, eigentlich ganz locker.

Seien wir mal ehrlich so sieht nähmlich ein Vertrag aus dem Jahre 1864 aus:

  1. 1. Alle 14 Tage einen Sonntag frei gehabt von 5h morgens bis 12h, wo es höchst empfohlen wurde, zur Messe zu gehen.
  2. Man wohnte beim Meister, sprich ist nach der Arbeit auch nochmal im Haushalt sein Bediensteter.
  3. Man durfte kaum eigene Besitztümer haben. Sein eigener Wohnraum durfte kontrolliert werden.
  4. Man durfte während der gesamten Dauer der Ausbildung kein Alkohol trinken.
  5. Der Vater musste im eigentlich Fall Ausbildungsgeld zahlen, damit der Meister den Sohn überhaupt als Lehrling annahm.
  6. Der Meister war für die sittliche Erziehung des Lehrlings zuständig ( sprich: Dresche… )

Im Gegensatz zu heute:

  1. Freie Wochenenden und 24 Tage bezahlten Urlaub pro Jahr
  2. Einen ordentlichen Lohn. ( im 3. Jahr kann man fast ausschließlich davon leben ).
  3. Viele Rechte: sprich wenn etwas passiert hat man den Arbeitgeber am Kragen
  4. Feste Arbeitszeit von 8 Stunden pro Tag im Normalfall
  5. 20% der Arbeitszeit in der Schule.

Es ist also wirklich kein schlechter Deal.

Spaß am Job

Allgemein macht der Job auf der Baustelle Spaß.

Natürlich an manchen Tagen mehr als an anderen aber allgemein ist es eine positive Erfahrung.

Das liegt schon mal an drei Punkten:

  1. Am Ende des Tages bist du körperlich schlapp und weißt, dass du etwas geleistet hast
  2. Du siehst jeden Tag die Früchte deiner eigenen Arbeit
  3. Die Baustelle ist ein relativ freier Arbeitsraum, wo du eigentlich machen und tun kannst, was du möchtest.

Du wirst schleppen und körperlich angestrengt sein, kein Frage.

Aber als Mann macht Schleppen eigentlich schon Spaß.

Das Gefühl am Ende eines Tages physisch am Boden zu sein, das Gefühl etwas geleistet zu haben und der Stolz wenn man sein eigenes Werk sieht.

Das sind alles Sachen, die tief im Menschen drin stecken.

Auch wenn man ’nur‘ 8 Stunden pro Tag arbeitet, man fühlt sie definitiv am Ende des Tages!!!

Vorteile eines Studiums

Ein Studium bringt an sich viele Vorteile mit sich.

Man lernt es:

  1. viele Informationen aufzunehmen, richtig zu ordnen, zu synthetisieren und daraus eigene Schlüsse zu ziehen
  2. eigene Thesen zu formulieren und sie argumentativ verteidigen können
  3. eine besser Beherrschung der Sprache.
  4. eine Menge Fachwissen

Und dann kommt natürlich noch eine ganze Reihe an fachlichem Wissen dazu.

( Hier möchte ich anmerken, dass in den meisten Studiengängen das Fachwissen im späteren Beruf eigentlich nur geringfügig zur Geltung kommt. )

Vorteile einer Ausbildung

In einer Ausbildung wirst du auch viel Theorieunterricht haben.

Etwa 20% der Ausbildungszeit verbringst du in der Schule.

Was du in der Ausbildung lernst sind natürlich praktische Fähigkeiten, die du dein ganzes Leben lang mit dir tragen wirst.

Ich kann ja nur von handwerklichen Ausbildungen sprechen, aber hier nimmst du eigentlich von allen Gewerken ein wenig was mit.

Als Handwerker wirst du automatisch ein Gefühl fürs ‚Handwerk‘ entwickeln, egal von welchem Gewerk wir sprechen.

Ihr kennt ja vielleicht den Spruch: ‚oh, der hat handwerklich wirklich was drauf.‘.

Tja, auch wenn du Maurer lernst, werden dir dadurch alle anderen Gewerke einfacher erscheinen.

Perspektiven eines Studiums

Gute Leute waren immer gesucht, egal in welchem Bereich.

Allerdings kommt man mit einem durchschnittlichen Abschluss heutzutage nicht mehr so weit wie früher.

Wie schon vorher erwähnt: die Fähigkeiten, die man im Studium lernt sind hauptsächlich analytisch ( und Fachwissen ).

Hat denn ein polnischer Meisterstudent nicht dieselben Fähigkeiten?

Klar, ein deutscher spricht die Sprache besser, jedoch ist das unserem internationalen Markt von immer geringeren Bedeutung.

Das sind die Herausforderungen, die ein normaler Deutscher Student heute bewältigen muss.

Allerdings erlaubt dir das Studium auch, in Arbeitsbereiche reinzukommen, wo sehr sehr viel Geld liegt, und die man mit dem normalen Gesellenbrief nicht erreichen würde.

Dazu muss in der Regel aber ein wirklich gutes Studium her.

Gott sei Dank bieten Universitäten auch praktischere Kurse an, wie z.B. in der Unternehmensgründung, haben Pflichtpraktikas und bieten so die Möglichkeit auch etwas praktische Erfahrung zu sammeln.

Die empfehle ich sehr.

Perspektiven einer Ausbildung

Beim Handwerk ist es anders.

Die analytischen Fähigkeiten sind nicht dein Hauptverkaufsmerkmal, sondern deine praktischen Fähigkeiten.

Und die kann dir nicht jeder einfach so nachmachen.

Außerdem schätze ich, dass die deutsche Handwerkerausbildung im Gegensatz zum Rest der Welt wirklich hochwertig ist.

Der Unterschied zwischen der deutschen Handwerkerausbildung und einer ausländischen ist denke ich größer als jetzt z.B. zwischen einem deutschen Studium und einem fremden.

Deutsche Handwerker lernen es wirklich sauber und

Dann kommt die Frage des Wettbewerbs.

Hier sind die Lage ganz anders aus, als im akademischen Umfeld.

Nachwuchs wird dringend benötigt.

Und es sieht nicht danach aus, als ob die nächsten Jahre das Loch im Nachwuchs flicken werden.

Im Gegenteil: die Lage scheint sich weiterhin zu verspitzen.

Da viele alteingessessene Handwerker in den Ruhestand gehen, wird der Nachwuchs wohl in den nächsten Jahren noch gefragter sein als jetzt.

Es ist ebenfalls von Bedeutung, dass die handwerklichen Dienstleistungen die wir bringen, absolut notwendig sind.

Sprich: wenn ein Sturm kommt, gibt es keine andere Lösung als den Handwerker anzurufen.

Gleiches gilt für die Elektrik oder einem Rohrbruch…Der Experte MUSS ran, sonst hat man Schaden z.T. in Millionenhöhe.

Das sind alles wichtige Faktoren, die dem Handwerker auch in schlechten Zeiten wahrscheinlich helfen werden.

Einem Studenten geht es nicht so.

Analytische Fähigkeiten werden in der Not wahrscheinlich weniger gebraucht ( aber wieder hier zu differenzieren: ein wahnsinnig guter Wissenschaftler wird wahrscheinlich immer einen Arbeitgeber finden ).

Der Einstiegslohn eines Handwerkerazubis liegt bei 17-20 Euro/Stunde.

Der Geselle hat aber noch viele Möglichkeiten diese Einnahmen zu vervielfachen.

Sei es indem er einen Meister abschließt, studieren geht oder sich selbstständig macht.

Auch wenn man sich nach der Ausbildung gegen den Beruf entscheidet, bleiben einem noch sehr viele Optionen offen.

Sei es in der Bauindustrie, bei der Bundeswehr oder der Feuerwehr, eine abgeschlossene Ausbildung gilt als Garant für ein fleißiges und gutes Arbeiten.

Studium oder Ausbildung?

Wann du eher Studieren solltest.

Du solltest lieber studieren wenn:

  • du genau weißt was du möchtest und der einzige Weg dahin durch das Studium führt.
  • dich ein gewisses Fach besonders imponiert und du nur daran denken kannst
  • du sehr gerne mit der deutschen Sprache hantierst und arbeitest

z.B. Arbeiten im Bankwesen, in der Mathematik, in der Medizin, ( vllt. in der Medienbranche ), in der Archäologie.

Du sollst dich auch darauf einstellen, dass sich vom Schulunterricht nicht so viel ändern wird: du wirst zwar studieren was du möchtest, jedoch wird dir auch nicht jeder Kurs gefallen, und egal wie sehr einem der Stoff gefällt, es ist keine schöne Sache 8 Stunden lang vor seinem Lehrbuch zu sitzen.

Du solltest bereit sein dich für lange Zeit konzentrieren zu müssen und einen außerordentlich scharfen Verstand zu bilden.

Wann du eher eine Ausbildung anfangen solltest:

Wenn du:

  • gerne an der frischen Luft und der Natur bist,
  • gerne ganz fertig und erfüllt nach Hause kommen willst
  • ein wenig Mathematik lernen aber nicht zu viel ( genau genug um nicht zu verdummen aber nicht so viel, dass dein Hirn brennt)
  • hauptsächlich mit männlichen Kollegen irgendeinen Schmarrn machen
  • gerne einfache Lösungen für Probleme findest
  • auch bereit bist dich körperlich etwas kaputt zu machen
  • das einfache Leben genießt
  • überhaupt kein Sitzfleisch hast
  • wenn dir es gefällt, so was zu machen

dann solltest du eher eine handwerkliche Ausbildung machen.

Gerade wenn du eher der Typ bist, der für das Studium qualifiziert ist, jedoch nicht ganz genau weißt, was du machen willst, würde ich dir in den heutigen Zeiten eine handwerkliche Ausbildung empfehlen.

Das beste Argument um eine handwerkliche Ausbildung anzufangen ist folgendes:

Wenn du deinen Gesellenbrief in der Tasche hast, kannst du eh nochmal ( nebenbei ) studieren gehen.

Ein Gesellenbrief in der Tasche zu haben ist heute mehr wert als 70% der Studiengänge.

In den meisten Unis kannst du dir dein Stundenplan auch zurecht legen, sodass du zum Beispiel nicht in 3 Jahren aber innerhalb 4 Jahre dein Bachelor machst.

Ein Studium kann man wie eine Vollzeitarbeit ansehen, wobei sie recht flexibel ist.

Man kann sich also durchaus vorstellen eine Arbeitswoche von 3 Arbeitstagen auf der Baustelle, 3 Arbeitstage in der Uni zu haben.

Andersherum geht das nicht.

Hier kann ich nur empfehlen: mach es wie ich.

Studieren kann man anschließend immer noch und nebenbei sogar noch arbeiten.

Links um einen Ausbildungsplatz zu finden.

Folgende Seiten habe ich persönlich benutzt:

https://www.azubi.de
https://www.ausbildung.de
https://www.azubiyo.de
https://www.stepstone.de
https://www.aubi-plus.de
https://www.ihk-lehrstellenboerse.de

Hier noch ein Programm der IHK, dass spezifisch darauf ausgerichtet ist dir den richtigen Ausbildungsplatz fu finden:
IHK – Passgenaue Besetzung

Fazit:

Wir befinden uns in einem Umschwung, der sich langsam bemerkbar macht.

Studieren oder Ausbildung? Diese Frage lässt sich nicht mehr so problemlos beantworten.

Das Zeitalter der Technologie ermöglicht es, so ungefähr alles Wissen der Welt durch einen Mausklick abrufen zu können.

Das beeinflusst natürlich auch die Welt der Fortbildungen.

Was man in der Universität lernt, hat einfach seinen Wert dadurch verloren.

Natürlich sprechen an der Universität Experten vom Fach, mit denen man auch persönlich Sachen besprechen kann, aber vieles kann man heutzutage einfach im Internet erlernen.

Wissen hat an Wert verloren. Das Angebot ist riesig, die Nachfrage geringer geworden.

Nichts desto trotz werden gut ausgebildete Studenten immer gesucht. Ob in Naturwissenschaftlichen Fächern, der Finanzwelt oder sogar Geisteswissenschaften: wer gut ist und sich gut präsentieren kann, wird sich durchsetzen können.

Dazu kommen wir zum nächsten Thema: was erwartet denn ein Arbeitgeber von dir?

Er möchte natürlich, dass du sein Unternehmen irgendwie vorantreibst. Ob mit guten Ideen, Fleiß oder sonst noch was für Dienstleistungen.

Er möchte, dass du für ihn Umsatz erschaffst.

Ob du diese Fähigkeiten nur im Studium erlernst hängt von dir ab.

Gott sei Dank gibt es im Studium ja auch ‚praktische Kurse‘ z.B. im Bereich Unternehmensgründung. Oder du kannst eine zusätzliche Sprache erlernen. Dazu kommen i.d.R. noch Pflichtpraktikas dazu.

Dasselbe gilt auch in der Ausbildung.

Hier lernst du Fähigkeiten, für die du Geld verlangen kannst.

Diese Fähigkeiten lernst du auch nicht aus.

Es liegt dann an dir, ob du einfach nur stumpf für diese Fähigkeiten bezahlt wirst, oder ob du diese nochmal erweiterst und dadurch vielleicht einen größeren Einfluss auf die Welt und deine eigenen Finanzen hast.

Als Fazit kann man für die heutige Situation sagen: die Fähigkeiten die du im Handwerk erlernt sind gefragter und langlebiger als die Fähigkeiten die du heutzutage im Studium lernst.

Dennoch wird man als guter Student in gewissen Fächern natürlich gefragter und besser bezahlter sein als ein Handwerker.

Letztendlich hängt alles von dir ab.

Ich kenne auch Menschen, die ohne irgendeinen Abschluss wehrerfolgreich geworden sind.

admin

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